Ölkatastrophe wird zu Wettlauf mit der Zeit Expertenteams versuchen immer noch vergeblich, den Austritt von Rohöl nach dem Untergang einer Bohrinsel im Golf von Mexiko zu stoppen. Es gelang bisher nicht, mit Hilfe von Mini-U-Booten ein Ventilsystem zu aktivieren, das den Ölfluss in 1500 Meter Tiefe stoppen könnte. Schätzungsweise 140 Tonnen Öl sprudeln derzeit täglich ins Meer. Gelingt es nicht, das Ventilsystem in Gang zu bringen, könnte Öl sogar mehrere Monate weiter ins Wasser strömen. Jetzt droht eine Ölpest.
Etwa 2100 Quadratkilometer Fläche vor der Küste von Louisiana sind von einem Ölfilm bedeckt. Aber Konteradmiralin Mary Landry von der Küstenwache bleibt zuversichtlich, dass günstiger Wind ihn noch mindestens drei Tage lang vom Land fernhält.
"Wir müssen uns auf den schlimmsten Fall vorbereiten" Das gäbe genügend Zeit, das Ausmaß der Verseuchung zu begrenzen, bekräftigte Landry. Sie wies auch darauf hin, dass die austretende Ölmenge vergleichsweise gering sei und einen nur dünnen und fleckenhaften Film auf der Wasseroberfläche bilde. Dennoch könne die Lage ernster werden: "Wir müssen uns auf den schlimmsten Fall vorbereiten." Akut gefährdet sind die vorgelagerten Inseln der Chandeleurs, die Pelikanen und anderen Seevögeln als Brutplatz dienen. Im betroffenen Gebiet leben außerdem zahlreiche Meerestiere wie Wale, Haie und Schildkröten. Bedroht sind auch die Austern-Bänke an der Mississippi-Mündung.
Wenig Erfahrung mit Öllecks im offenen Meer Ein US-Experte von der renommierten Woods Hole Oceanographic Institution betonte, dass die ökologischen Folgen des Ölaustritts im Golf von Mexiko noch völlig unabsehbar seien. Bisher habe man nur sehr wenig Erfahrung mit Öllecks im offenen Meer, sagte der Fachmann für Meereschemie, Chris Reddy.
Ökologische Schäden so gut wie sicher Er wies aber auch darauf hin, dass sich der jetzige Fall nicht mit der "Exxon Valdez"-Katastrophe von 1989 vor der Küste Alaskas vergleichen lasse. Damals waren rund 40.000 Tonnen Rohöl ausgelaufen. Der Golf von Mexiko sei ein recht offenes Meer mit großer Tiefe, das Leck befinde sich über 70 Kilometer von der Küste entfernt, sagte Reddy. Zudem hätten die Behörden tatsächlich mehrere Tage Zeit, bis sich der Ölteppich der Küste nähert, Zeit, um den Ölfilm aufzuhalten oder das Öl chemisch aufzulösen. "Allerdings gibt es keinen Zweifel, dass es ökologische Schäden geben wird", meinte Reddy. Im Golf von Mexiko gebe es ein vollständiges maritimes Ökosystem einschließlich Meeressäugern wie Delfinen und Walen. Nach den heftigen Stürmen vom Wochenende ist das Meer noch zu bewegt, um mit Reinigungsarbeiten zu beginnen. Nach Angaben der Küstenwacht halten sich die Besatzungen von 32 Schiffen bereit, um die Ölpest einzudämmen, sobald der Wellengang dies zulässt.
Öl tritt an zwei Stellen aus Das Öl tritt nach Angaben des britischen Konzerns BP, der die am Donnerstag gesunkene Bohrinsel "Deepwater Horizon" geleast hatte, an zwei Stellen aus: Am letzten Bohrloch der Plattform und aus einem Leck in einer Rohrverbindung, die zu dem Bohrloch führt. Klappt das Aktivieren des Ventilsystems nicht, könnte ein Nebenzugang zu dem Bohrloch geschaffen werden, um den Ölaustritt durch das Einleiten einer schweren Flüssigkeit zu stoppen. Als weitere Variante könnten die BP-Experten versuchen, eine kuppelartige Konstruktion über das Bohrloch zu stülpen. Das austretende Öl würde dann in einen Tank an die Meeresoberfläche geleitet.

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